08.05.2019

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Kulturelle Teilhabe: Brandenburger Inklusionspreis an vier Projekte für Kunstschaffende verliehen

Laut der UN-Behindertenrechtskonvention haben alle Menschen mit Behinderungen das Recht, gleichberechtigt mit anderen am kulturellen Leben teilzunehmen. Aber Kunstschaffende mit Beeinträchtigungen haben es in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch sehr schwer. Um das zu ändern, steht der Brandenburger Inklusionspreis 2019 unter dem Motto „Inklusive Kunst“. Sozialministerin Susanna Karawanskij und Dr. Elke Mandel, Beauftragte der Landesregierung für die Belange der Menschen mit Behinderungen, verliehen den Preis heute in der Staatskanzlei in Potsdam.

Die vier Preisträger sind: Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Landesverband Brandenburg e.V. für das inklusive Kunstprojekt „Dahmshöher ART“ (Fürstenberg/Havel, Oberhavel), Theater im Schuppen e.V. für die inklusive Theatergruppe „B-Rührung“ und das inklusive Festival „Junges Theater“ (Frankfurt (Oder)), die „Schreibwerkstatt Liteclub“ des Literaturclubs am Haus der Begegnung (Potsdam), sowie der „Distelhof“ – Inklusionsort für Begegnung und Kreativität für das Projekt „ErfahrungsRaum für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung“ (Karstädt, Prignitz). Sie erhalten mit der Auszeichnung jeweils 2.000 Euro.

Sozialministerin Susanna Karawanskij lobte die Preisträger: „Kunst schafft kreative Freiräume und kann so Barrieren eigentlich spielend leicht überwinden. Aber im Kulturleben sind Kunstschaffende mit Beeinträchtigungen in unserer Gesellschaft immer noch unterrepräsentiert und strukturell benachteiligt. Die heutigen Preisträger zeigen, dass Menschen mit Behinderungen beindruckende Kunstwerke schaffen und uns allen damit neue Perspektiven eröffnen. Mit dem Inklusionspreis wollen wir nicht nur dazu beitragen, dass ihre Kunst stärker wahrgenommen wird, sondern vor allem auch Impulse zur Nachahmung setzen.“

Neben den vier Preisträgern würdigte Landesbehindertenbeauftragte Dr. Elke Mandel zwei weitere Projekte mit einer besonderen Anerkennung und jeweils 1.000 Euro: Lebenshilfe Brandenburg-Potsdam e.V. aus Brandenburg an der Havel für die Ideen bei der Umsetzung des „Tanztheater Anders“ sowie die Secret Forest GmbH aus Berlin für die Ideen bei der Umsetzung des „Inklusives Zurück zu den Wurzeln Festival“, das jedes Jahr im Juni bei Niedergörsdorf (Teltow-Fläming) stattfindet.

Dr. Elke Mandel, Beauftragte der Landesregierung für die Belange der Menschen mit Behinderungen, sagte: „Jeder Mensch hat das Recht, sein kreatives, künstlerisches und intellektuelles Potenzial zu entfalten und zu nutzen. Dieses Recht haben selbstverständlich auch Menschen mit Behinderung. Aber sie können dieses Recht leider immer noch nicht so frei leben und ausüben wie Menschen ohne Behinderungen. Da stehen vor allem viele Vorurteile und Vorbehalte im Weg. Unsere Gesellschaft tut gut daran, das Denken und das Schaffen von Menschen in den Mittelpunkt der Wahrnehmung und der Bewertung zu stellen. Es sind die Gedanken, Worte und Taten, die uns gemeinsam voranbringen. Und da können Menschen mit Behinderungen enorm viel beitragen. Echte Teilhabe in allen Bereichen des Lebens bereichert die ganze Gesellschaft.“

Das Sozialministerium lobte den Brandenburger Inklusionspreis zum dritten Mal aus. Seit dem Jahr 2014 wird er zu wechselnden Themen vergeben. Diesmal richtete er sich an alle Aktiven im Kunstbetrieb, wie etwa Galerien, Kleinkunstbühnen, Theater, Ateliers, Kunsthochschulen, Werkstätten für behinderte Menschen, Vereine, Bildungseinrichtungen und Kommunen. Die Gewinner wählte eine Jury aus.

Die diesjährige Preisverleihung fand in zeitlicher Nähe zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (5. Mai) statt.

Preisträger des Brandenburger Inklusionspreises 2019

Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Landesverband Brandenburg e.V. für das inklusive Kunstprojekt „Dahmshöher ART – Kunst aus Dahmshöhe“: Das Projekt startete im Oktober 2000 mit einem Kreativzirkel für 20 Menschen. Seitdem fanden regelmäßige Treffen kreativer Leute zwei bis drei Mal jährlich statt. Aufgrund des großen Interesses und der hohen Anmeldezahl finden seit 2014 Workshops an vier Terminen im Jahr für fünf Tage im Block in der Bildungs- und Begegnungsstätte „Haus Dahmshöhe“ (Fürstenberg/Havel OT Altthymen) statt. Jährlich nehmen circa 120 Menschen mit und ohne Behinderungen an diesen kreativen Treffen teil. Ziel ist es, Menschen durch Kunst zu verbinden und Barrieren zu überwinden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten miteinander, sammeln Erfahrungen und tauschen sich aus. Die Workshops werden in einfacher Sprache durchgeführt. Jährlich erscheint ein Kalender mit Werken aus „Dahmshöher Art“, in den fast 20 Jahren wurden mehr als 9.000 Exemplare gedruckt, verkauft und verschenkt. Und in der Bildungsstätte werden Werke in einer Dauerausstellung der Öffentlichkeit gezeigt.

Theater im Schuppen e.V. für die inklusive Theatergruppe „B-Rührung“ und das inklusive Festival „Junges Theater“: Das Theater belebt seit 1990 die Kulturszene in Frankfurt (Oder). In den unterschiedlichsten Projekten haben Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Behinderungen hier die Möglichkeit, gemeinsam schauspielerisch aktiv zu sein. Das Projekt inklusive Theatergruppe „B-Rührung“ und inklusives Festival „Junges Theater“ startete im März 2013. Dabei stehen die Zusammenführung von Menschen verschiedener Altersgruppen und Nationalitäten, mit und ohne psychische oder physische Beeinträchtigungen sowie die Selbsterfahrung des Einzelnen im Vordergrund. Proben finden wöchentlich statt, angeleitet von einem Team aus Pädagogen, Schauspielern, Betreuern und Therapeuten. Das Projekt lädt zu öffentlichen Proben ein, macht Vorstellungen in und um Frankfurt (Oder) und organisiert ein jährliches internationales Festival mit circa 150 Teilnehmenden u.a. aus Deutschland, Polen, Italien und Indien.

Literaturclub am Haus der Begegnung Potsdam für die „Schreibwerkstatt Liteclub“: Seit fast 30 Jahren ist der Liteclub Bestandteil des breiten Angebotes des Hauses der Begegnung, dessen Träger das Paritätische Sozial- und Beratungszentrum Potsdam ist. Das Angebot wendet sich an Menschen mit und oder Behinderungen, die sich für Literatur interessieren und selbst schreiben wollen. Sie sollen ermutigt werden, das eigene Talent zu erkennen und zu entwickeln. Der Liteclub trifft sich zweimal im Monat, um neu entstandene Texte zu besprechen. In den letzten vier Jahren hat sich zum Höhepunkt der Arbeit ein Schreibwerkstatt-Wochenende am Seddiner See entwickelt, das einmal im Jahr ein konzentriertes Arbeiten zu einem gemeinsamen Thema erlaubt. Im Rahmen des Projektes wurden bereits sieben Anthologien (Sammlungen von ausgewählten literarischen Texten) veröffentlicht, die zum Teil auch in der Potsdamer Stadtbibliothek ausleihbar sind.

„Distelhof“ – Inklusionsort für Begegnung und Kreativität für das Projekt „ErfahrungsRaum für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung“: Der Distelhof ist ein Inklusionsraum für Menschen mit und ohne Behinderungen. Das Projekt „ErfahrungsRaum“ startete im Oktober 2018. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung zu ermöglichen, ihr kreatives, künstlerisches Potenzial zu entfalten. Frei von Leistungszielen und Leistungsdruck sollen sie ihre Fähigkeiten erproben und erfahren können. Kleingruppen treffen sich einmal im Monat an einem Samstag für vier Stunden. Zusätzliche Treffen gibt es in den Ferien. Zum Kernangebot gehören u.a. Linolschnitt, großformatiges Malen auf Holz, Ton-Aufbauarbeiten, Fotografie und Schmieden.

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