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20.05.2022

| 213/2022

Afrikanische Schweinepest beim Schwarzwild: Aufhebung von Kerngebieten - Fertigstellung des Schutzkorridors zu Polen

Petra Senger und Anna Heyer-Stuffer entfernen Hinweis auf Kerngebiet
Petra Senger und Anna Heyer-Stuffer entfernen Hinweis auf Kerngebiet

Seit mehreren Monaten wurden in den zuerst von der Afrikanischen Schweinepest (ASP) betroffenen Gebieten in den Landkreisen Oder-Spree, Spree-Neiße und Dahme-Spreewald keine neuen ASP-Fälle festgestellt. Damit können die dort ausgewiesenen Kerngebiete und Nutzungsbeschränkungen für Land- und Forstwirtschaft per Allgemeinverfügung durch die Landkreise aufgehoben werden. So kann von einer Fallwildsuche vor Bewirtschaftung der Flächen abgesehen werden. Zudem konnten die letzten verbliebenen Meter im zweiten ASP-Zaun entlang der Grenze zu Polen geschlossen werden. Der Schutzkorridor gegen den weiteren Eintrag der Tierseuche ist damit fertig gestellt. „Das sind sehr gute Nachrichten im Kampf gegen die hoch gefährliche Tierseuche, die zeigen, dass unsere Maßnahmen wirken“, sagte die Leiterin des ASP-Krisenstabs Anna Heyer-Stuffer bei einem Besuch im Landkreis Oder-Spree.

Seit September 2020 wurde die ASP aus Westpolen über einwandernde Wildschweine auf der gesamten Länge der polnisch-brandenburgischen Grenze in das Land Brandenburg eingetragen. Daraus resultieren bisher acht infizierte Gebiete.

Anna Heyer-Stuffer: „Seit mehr als eineinhalb Jahren arbeiten die betroffenen Landkreise unter anderem gemeinsam mit dem Tierseuchenbekämpfungsdienst des Landes, dem Landeslabor Berlin-Brandenburg, Jägern, der Bundeswehr, der Feuerwehr, dem THW, Landwirten, Zaunbaufirmen und unzähligen Freiwilligen in den betroffenen Regionen an der Mammutaufgabe der Wiederherstellung der Seuchenfreiheit. Ich danke allen Beteiligten für diesen Einsatz, mit dem sie nicht nur Brandenburg, sondern ganz Westeuropa einen unschätzbaren Dienst leisten! Durch die konsequenten Bekämpfungsmaßnahmen wie Zaunbauten, Wildschweinentnahme und Fallwildsuche ist es bisher allen betroffenen Kreisen gelungen, eine weitere Seuchenausbreitung in Richtung Westen zu verhindern. Jetzt können wir in eine neue Phase der Seuchenbekämpfung eintreten.“

Verstärkte Wildschwein-Entnahme, Freilandhaltung wieder möglich

Die ausgewiesenen Kerngebiete (Kerngebiet I und III) in den Landkreisen Oder-Spree, Spree-Neiße und Dahme-Spreewald werden per Allgemeinverfügung durch die Landkreise aufgehoben. Die betroffenen Landkreise können sämtliche Nutzungsbeschränkungen endgültig aufheben, die vor allem für Land- und Forstwirtschaft in den Kerngebieten galten. Einzelheiten sind den Allgemeinverfügungen der Landkreise zu entnehmen. Die Freiland- und Auslaufhaltung von Hausschweinen ist wieder in den von den Veterinärämtern definierten Gebieten möglich, vorausgesetzt die notwendigen Biosicherheitsmaßnahmen werden durch die Tierhalter erfüllt.

Eine Aufhebung der Beschränkungen für das Verbringen von Hausschweinen aus der Sperrzone II (gefährdete Gebiete einschließlich Kerngebiete und Weiße Zonen) ist jedoch erst möglich, wenn in einem Zeitraum von mindestens zwölf Monaten kein ASP-Fall in dieser Zone aufgetreten ist.

In der sich nun anschließenden Screening-Phase von mindestens sechs Monaten muss das Schwarzwild weiter deutlich reduziert werden. Hierbei muss die Jägerschaft nochmals die Aktivitäten zur Entnahme des Schwarzwildes verstärken, um dieses schwierige Ziel zu erreichen. Auch die vorhandenen ASP-Zäune bleiben zunächst bestehen.

Anna Heyer-Stuffer: „Die Wildschweinbarrieren müssen unbedingt weiter funktionsfähig bleiben. Ich bitte alle Bürgerinnen und Bürger eindringlich, die Tore nach dem Passieren der ASP-Schutzzäune wieder zu schließen, um den Bekämpfungserfolg nicht zu gefährden. Denn jeder neue ASP-Fund würde uns um Monate zurückwerfen.

Schutzkorridor zu Polen fertig gestellt

Parallel zu den Bekämpfungsmaßnahmen zur Tilgung der Seuche wurde der doppelt gezäunte ASP-Schutzkorridor entlang der brandenburgischen Grenze zu Polen fertiggestellt, um die weitere Einwanderung infizierter Wildschweine aus Westpolen zu verhindern und die bisherigen Bekämpfungserfolge zu sichern. Bereits im Sommer 2021 war der erste Zaun auf einer Länge von rund 255 Kilometern fertig gestellt worden. Der zweite Zaun hat eine Länge von rund 280 Kilometern.

Chronologie und Maßnahmen

  • 10. September 2020: Erster nachgewiesener ASP-Fall im Landkreis Spree-Neiße. Weitere ASP-Fälle im Landkreis Oder-Spree. Einrichtung von Restriktionszonen, Beginn intensiver Fallwildsuchen unter anderem mit Unterstützung der Bundeswehr und die Polizeihubschrauberstaffel Brandenburg.
  • 24. September 2020: Baubeginn des festen Zauns entlang der Grenze zu Polen im Landkreis Spree-Neiße.
  • 27. September 2020: ASP-Nachweis im Landkreis Märkisch-Oderland. Einrichtung von Restriktionszonen, intensive Fallwildsuche und Entnahme.
  • 11. November 2020: Die ersten Kadaversuchhunde aus Brandenburg legen erfolgreich ihre Prüfung ab.
  • 2. Dezember 2020: Fester Zaun entlang der deutsch-polnischen Grenze zwischen Frankfurt (Oder) und Sachsen geschlossen.
  • 4. März: ASP-Nachweis im nördlichen Stadtgebiet Frankfurt (Oder). Einrichtung von Restriktionszonen, intensive Fallwildsuche und Entnahme.
  • April 2021: Nach dem Barnim baut auch die Uckermark den Schutzzaun entlang der Grenze zu Polen.
  • 19. Mai 2021: ASP-Nachweis im südlichen Stadtgebiet Frankfurt (Oder). Einrichtung von Restriktionszonen, intensive Fallwildsuche und Entnahme.
  • 24. Juni 2021: Der Landeskrisenstab beschließt die Errichtung eines zweiten festen Zauns (Schutzkorridor) entlang der Grenze zu Polen.
  • 16./17. Juli 2021: Erstmals wird die ASP in Hausschweinbeständen nachgewiesen. Betroffen sind ein Betrieb in Spree-Neiße und zwei Kleinsthaltungen in Märkisch-Oderland.
  • 28. Juli 2021: ASP-Nachweis im Landkreis Barnim. Einrichtung von Restriktionszone, intensive Fallwildsuche und Entnahme.
  • 12. August 2021: ASP-Nachweis im Landkreis Uckermark östlich des Schutzzauns. Erweiterung der Restriktionszonen, intensive Fallwildsuche und Entnahme.

Insgesamt wurden bislang in Brandenburg 2.542 entnommene oder als Fallwild gefundene Wildschweine positiv auf ASP getestet.

Mehr Informationen zur ASP in Brandenburg: https://msgiv.brandenburg.de/msgiv/de/themen/verbraucherschutz/veterinaerwesen/tierseuchen/afrikanische-schweinepest/