Saisonarbeitskräfte / Erntehelfer in der Landwirtschaft

07/20 Stand: 20.05.2020

A. Schutz vor Ansteckung mit dem Corona-Virus für Saisonarbeitskräfte / Erntehelfer in der Landwirtschaft [1]

Um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, ist die Landwirtschaft auf zahlreiche Saisonarbeitskräfte aus dem In- und Ausland angewiesen. Bei Ernte, Aussaat, Pflanzarbeiten und Pflege leben und arbeiten die Beschäftigten mit unterschiedlichen privaten Umfeldern und unterschiedlichster Herkunft zum Teil eng zusammen. Dadurch besteht für die Beschäftigten ein erhöhtes Risiko, sich gegenseitig mit dem Corona-Virus anzustecken. Die Arbeitgeber sind u. a. gemäß Arbeitsschutz- und Arbeitszeitgesetz verpflichtet, durch geeignete Arbeitsschutzmaßnahmen die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten zu gewährleisten. Das gilt nicht nur für die eigentlichen Arbeiten in der Landwirtschaft, sondern auch für die angemessene Unterbringung der Beschäftigten sowie den Transport vom und zum Arbeitsplatz.

Folgende (Sofort-) Maßnahmen tragen dazu bei, das Infektionsrisiko für Saisonarbeitskräfte / Erntehelfer in der Landwirtschaft zu verringern:

1. Anforderungen an die Organisation

Zur Deckung des Arbeitskräftebedarfs werden neben ausländischen Saisonarbeitskräften u. U. auch Mitarbeiter eingestellt, die sich z. B. über Plattformen wie https://www.saisonarbeit-in-deutschland.de/ gemeldet haben. Diese Saisonarbeitskräfte werden i. d. Regel aus dem näheren Umfeld kommen und damit nicht auf dem Betriebsgelände untergebracht sein. Damit steigt die Möglichkeit, dass eine Corona-Infektion nicht nur innerhalb des Betriebs, sondern auch über soziale Kontakte im Umfeld verbreitet werden kann.

Stellen Sie vor diesem Hintergrund als Arbeitgeber sicher, dass die Beschäftigten untereinander so wenig wie möglich in Kontakt kommen. Bilden Sie dazu vor Beginn der Tätigkeiten möglichst feste Teams von maximal 4 bis 8 Personen. Nur soweit eingesetzte Technologien (Sortieranlagen, Erntemaschinen, Verwiege- und Verpackungsmaschinen) dies nachweislich erfordern, sind größere Gruppen bis zu 15 Personen möglich. Achten Sie darauf, dass Beschäftigte aus der Umgebung in andere Teams eingeteilt sind als Beschäftigte, die auf dem Betriebsgelände untergebracht sind. Wenn dennoch ein Beschäftigter an COVID-19 erkranken sollte, muss ggf. nur sein Team unter Quarantäne gestellt werden, nicht aber der gesamte Betrieb (Totalausfall!).

Es gilt das Grundprinzip „Zusammen Wohnen – Zusammen Arbeiten (ZWZA)“.

Dieses Grundprinzip gilt für alle folgenden Bereiche:

  • während der Anreise vom Heimat- zum Arbeitsort (wenn irgendwie möglich),
  • bei der Unterbringung in den Wohnunterkünften,
  • bei allen Freizeitaktivitäten,
  • beim Transport zum und vom Feld / Arbeitsort,
  • an den Arbeitsplätzen,
  • in Pausenräumen (Tagesunterkünften).

1.1 Erforderliche Maßnahmen des Arbeitgebers bei der Ankunft von Saisonarbeitskräften im Betrieb

  1.  Die Quarantäne-Regelungen für Neuanreisende während der ersten 14 Tage gemäß Punkt 3c des Konzeptpapiers des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat und des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sind zu beachten.[2]
  2. Die ankommenden Saisonarbeitskräfte sind verbindlich in feste Teams von maximal 4 bis 8 Personen einzuteilen.
  3. Es ist eine für die gesamte Zeit des Aufenthalts verbindliche Zimmer-/Wohneinteilung in den Unterkünften vorzunehmen.
  4. Klare Festlegungen zu den im Betrieb geltenden Abstandsregeln sind zu treffen: Mindestabstand 1,5 m.
  5. Ersatzcontainer bzw. Ersatzunterkünfte für die Quarantäne von infektionsverdächtigen oder ggf. an Covid-19 erkrankten Beschäftigten sind in ausreichender Zahl bereitzustellen und es ist dafür zu sorgen, dass diese mit einer Krankentrage leicht erreicht werden können sowie über gesonderte Sanitärbereiche verfügen. In diesem Raum sind Trinkwasser oder alkoholfreie Getränke zur Verfügung zu stellen. Der Standort dieser Einrichtungen ist den Saisonarbeitskräften bekannt zu geben.
  6. Meldewege für Saisonarbeitskräfte, bei denen der Verdacht auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 besteht, sind festzulegen (Vorarbeiter, Arbeitgeber, Arzt, Gesundheitsamt etc.). Infomieren Sie sich direkt bei Ihrer Gesundheitsbehörde, damit Sie für den Notfall vorbereitet sind.
  7. Die Saisonarbeitskräfte sind in der jeweiligen Landessprache zum hygienischen Verhalten und zu den Regelungen im Krankheitsfall (COVID-19) zu unterweisen[1]. Schulungen zur Einhaltung der Hygieneregeln sind durchzuführen. Zeitpunkt und Inhalt der Unterweisungen sowie die Namen der unterwiesenen Saisonarbeitskräfte sind zu dokumentieren. 

2. Arbeitsschutz und Infektionsschutz

2.1. Grundlegende Maßnahmen

  1. Festlegung von Verantwortlichkeiten und Vertretungsregelungen für den Arbeitgeber und weiterer für den Betriebsablauf zwingend notwendiger Führungskräfte.
  2. Strikte Einhaltung des Grundprinzips „Zusammen Wohnen – Zusammen Arbeiten (ZWZA)“.
  3. Die Personenzahl in den einzelnen Tätigkeitsbereichen ist so gering wie möglich zu halten.
  4. Geschlossene Arbeitsbereiche sind ausreichend zu lüften, um die Anzahl der Infektionserreger in der Luft gering zu halten. Gemäß Nummer 5.4 der ASR A1.6 „Lüftung“[4] soll mindestens einmal in der Stunde eine Stoßlüftung von 5 bis 10 Minuten Dauer erfolgen.
  5. Auch bei allen arbeitsbezogenen Kontakten sind soweit wie möglich Sicherheitsabstände von mindestens 1,5 m einzuhalten. In jedem Fall müssen diese Abstände zwischen den verschiedenen Teams vor Ort eingehalten werden.
    Dies kann beispielsweise erfolgen durch möglichst weit auseinanderliegende Arbeitsbereiche, zeitlich versetzte Nutzung gemeinsam zu nutzender Einrichtungen, unterschiedliche Zeiten von Arbeitsbeginn und –ende.
  6. Falls aus arbeitstechnischen Gründen der Sicherheitsabstand von 1,5 m nicht eingehalten werden kann, sind andere geeignete Schutzmaßnahmen vor Corona-Infektionen zu treffen. [5], [6]
    • Der Einsatz von z.B. Schutzscheiben oder aufgespannten Schutzfolien zum Schutz der Beschäftigten (z. B. an Sortierbändern, Theken, Verpackungsstraßen, etc.) kann als ein möglicher "Baustein" zur Unterbrechung der Infektionskette angesehen werden. Durch diesen „Schutzschirm“ wird die unmittelbare Belastung der Beschäftigten durch die Atemluft anderer Beschäftigter bzw. Personen gehemmt. Die Baugröße sollte den Atembereich abdecken, so dass von den typischen Körpermaßen erwachsener Personen ausgegangen werden kann.
    • Die Verwendung einer Mund-Nasen-Schutzes (MNS) oder einer alternativen, ggf. textilen Barriere im Sinne eines MNS kann sinnvoll sein, um das Risiko einer Ansteckung anderer Personen durch die größtmögliche Zurückhaltung von Tröpfchen, welche beim Husten oder Niesen entstehen, zu verringern (Schutz der Mitmenschen). Für die optimale Wirksamkeit ist es wichtig, dass ein MNS korrekt sitzt, d.h. enganliegend getragen wird, bei Durchfeuchtung gewechselt wird und während des Tragens keine (auch keine unbewussten) Manipulationen daran vorgenommen werden. Der MNS muss nach dem Gebrauch entsorgt oder, soweit vom Material her möglich, heiß (> 60°C) gewaschen werden.
      Auf keinen Fall darf die Verwendung einer mechanischen Barriere oder das Tragen eines MNS dazu führen, dass die sonstigen Regeln (Abstand wo immer möglich halten, ausreichende Händehygiene) außer Acht gelassen werden.
    • Arbeitsmittel sollen möglichst personenbezogen verwendet und regelmäßig gereinigt werden.
    • Ist die Nutzung von Arbeitsmitteln durch mehrere Personen unabdingbar, sind diese regelmäßig zu reinigen und ggf. zu desinfizieren.
    • Sofern für die Ausführung der Arbeitsaufgabe vorgeschrieben oder sinnvoll sind Schutzhandschuhe zu verwenden.
    • In Wartebereichen (z. B. Abfahrtstellen für den Transport, Ausgabe von Verpflegung, Verkaufstheken, Hofläden) sind Markierungen für einen ausreichenden Abstand untereinander, zu anderen Personen oder Beschäftigten anzubringen (z. B. Bodenmarkierung, Flatterbänder).

2.2 Strukturierung von Arbeitsabläufen

  1. a) Nutzen Sie soweit wie möglich das Telefon auch für innerbetriebliche Absprachen, z. B. zwischen Betriebsleitung und Vorarbeitern.
  2. Erfordern Arbeitsbesprechungen die persönliche Anwesenheit, sind diese auf die Anzahl der unbedingt erforderlichen Teilnehmenden zu beschränken.
  3. Bei Arbeitsbesprechungen Mindestabstand einhalten; wenn möglich im Freien, nicht in geschlossenen Räumen.

2.3. Organisation und Gestaltung der Pausen

  1. Organisieren Sie im Voraus feststehende unterschiedliche Pausen- und Nutzungszeiten für Küchen für die einzelnen Teams. Falls derselbe Pausenraum bzw. –bereich oder dieselbe Küche von verschiedenen Teams genutzt wird, sind zwischen den einzelnen Nutzungen zeitliche Unterbrechungen vorzusehen. Dadurch können Kontaktmöglichkeiten der einzelnen Teams untereinander bei Pausenende bzw. –beginn vermieden werden.
  2. Pausenräume bzw. –bereiche und Küchen müssen so groß sein, dass ein ausreichender Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 m zwischen den Beschäftigten gewährleistet ist.
  3. Die Pausenräume bzw. -bereiche und Küchen sind nach jeder Nutzung und am Ende des Tages zu reinigen (desinfizieren) und regelmäßig zu .
  4. Reinigen Sie insbesondere auch Handläufe auf Treppen und Türklinken in Pausenräumen und anderen gemeinschaftlich genutzten Räumen
  5. Bei der Ausstattung der Pausenräume bzw. –bereiche und Küchen sind nur leicht zu reinigende Oberflächen zu verwenden.
  6. Auch in den Pausen und während der Essenszeiten sind Hygieneregeln und Sicherheitsabstände einzuhalten.
  7. Bieten Sie vorzugsweise vorbereitete Speisen an, z. B. Lieferdienste, oder eine Gemeinschaftsverpflegung, da bei der individuellen Zubereitung von Speisen Sicherheitsabstände und Hygieneregeln kaum eingehalten werden können.
  8. Bei einer Gemeinschaftsverpflegung sind Warteschlangen bei der Essensausgabe und bei der Geschirrrückgabe mit entsprechender Abstandsmarkierung zu versehen und soweit möglich durch gestaffelte Essenszeiten zu vermeiden.

2.4. Sanitäreinrichtungen

  1. Stellen Sie Sanitärräume gemäß den in der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A4.1 „Sanitärräume“[7] veröffentlichten Anforderungen zur Verfügung. Diese müssen über eine ausreichende Anzahl an Handwaschgelegenheiten mit fließendem Wasser, Seife und Einmalhandtücher verfügen.
  2. In der Nähe der Arbeitsplätze auf dem Feld sind Toilettenkabinen und geeignete Handwaschgelegenheiten zur Verfügung zu stellen.
  3. Um in der derzeitigen Infektionslage die Mindestanforderungen an die Händehygiene, d. h. regelmäßiges Händewaschen, erfüllen zu können, müssen diese Handwaschgelegenheiten mit Seife, Einmalhandtüchern und Wasser in ausreichender Menge ausgestattet sein.
  4. Sanitäreinrichtungen sind täglich gründlich zu reinigen und zu desinfizieren.

2.5.  Maßnahmen bei Verdacht einer Infektion bzw. bei Erkrankung eines Beschäftigten an COVID-19

  1. Wenn ein Erkrankungsfall (laborbestätigter COVID-19-Fall) oder ein ärztlich begründeter Verdachtsfall (entsprechend der Falldefinition Coronavirus Disease 2019 des RKI) auftritt, ist das gesamte Team unverzüglich unter Quarantäne zu stellen, das Gesundheitsamt zu informieren (Meldepflicht) und eine getrennte Unterbringung sicherzustellen Weitergehende Anordnungen des Gesundheitsamtes bleiben unberührt bzw. können getroffen werden.
  2. Sorgen Sie dafür, dass für die Meldung beim Gesundheitsamt bzw. beim Arzt die notwendigen Informationen (z.B. Name und Telefonnummer der Erkrankten) zur Verfügung stehen.

3. Transport zwischen Unterkunft und Einsatzort, Zugangsregeln

  1. Fahrgemeinschaften sind nur innerhalb der verbindlich festgelegten Teams möglich. Dennoch ist dabei die Anzahl der Beschäftigten, die gemeinsam in einem Fahrzeug zum Arbeitsbereich an- und abreisen, auf das notwendige Maß zu begrenzen. Dies ist z. B. möglich durch Erhöhung der Transportmittelzahl oder der Anzahl der durchgeführten Transporte.
  2. Ein gemeinsamer Transport mehrerer Teams in einem Transportmittel ist nur möglich, wenn zwischen den Teams der erforderliche Sicherheitsabstand von 1,5 m eingehalten wird und es sich um ein offenes Transportmittel handelt.
  3. Die Innenräume der Transportmittel sind nach jeder Fahrt ausreichend zu lüften und regelmäßig zu reinigen.
  4. Sorgen Sie dafür, dass betriebsfremde Personen oder Kundschaft nicht Bereiche gelangen können, die als Arbeits- oder Wohnbereiche für die Teams genutzt werden.
  5. Auf Abschnitt 2.1 j) wird verwiesen.

4. Anforderungen an Wohnunterkünfte

Die im Arbeitsstättenrecht in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten ASR A3.6 „Lüftung“ [8], ASR A4.1 „Sanitärräume“[9] und ASR A4.4 „Unterkünfte“[10] enthaltenen Regelungen reichen derzeitig nicht aus, um in Bezug auf den Schutz der Beschäftigten vor einer Infektion mit dem Corona-Virus den Stand der Arbeitsmedizin und der Hygiene zu beschreiben. Hier und insbesondere beim Betreiben einer Wohnunterkunft sind zusätzlich die konkreten Maßnahmen der aktuellen Bekanntmachungen des RKI umzusetzen. Analog zu den Regelungen der SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung[11] der brandenburgischen Landesregierung muss zudem die weitreichende Forderung nach der generellen Vermeidung sämtlicher nicht notwendiger Sozialkontakte als Bewertungsmaßstab herangezogen werden.

Zusammengefasst bestehen unter den derzeitigen Erkenntnissen und Vorgaben des RKI mindestens die folgenden Anforderungen.

4.1.    Raumnutzung und Belegungszahlen

Bei der Unterbringung der Beschäftigten sind die bestehenden Anforderungen der ASR A4.4 zu beachten, insbesondere zur maximalen Anzahl der Betten im Schlafraum und der Mindestnutzfläche pro Bewohner.

Um im Sinne eines wirksamen Infektionsschutzes vor dem Corona-Virus die Einhaltung der Sicherheitsabstände von mindestens 1,5 m gewährleisten zu können, sind eine Reduzierung der „normalen“ Belegungszahlen und entsprechende Anordnungen des Mobiliars geboten.

  1. Es ist davon auszugehen, dass die Umsetzung der derzeitigen Hygieneanforderungen erfüllt werden, wenn jedem Beschäftigten ein Raum zur Verfügung steht. Anzustreben ist somit eine Einzelbelegung von Schlafräumen.
  2. Bei der Belegung von Mehrbettzimmern ist der jeder Person nach der ASR A4.4 zur Verfügung zu stellende Flächenbedarf im Schlafbereich von 6 m2 auf 12 m2 zu verdoppeln. Hieraus resultiert, dass die nach ASR A4.4 ansonsten übliche Belegungsdichte halbiert wird. In einem Schlafbereich dürfen maximal vier Personen untergebracht werden. Ausnahmen bestehen für Familien.
  3. In einem Mehrbettzimmer dürfen nur solche Betten genutzt werden, mit denen sich die Sicherheitsabstände einhalten lassen. Etagenbetten dürfen grundsätzlich nur einfach belegt werden. Ausnahmen bestehen für Partner bzw. enge Familienangehörige.
  4. Alle Räume/Bereiche sollen so groß sein, dass ein ausreichender Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 m zwischen den einzelnen Beschäftigten möglich ist. Um diesen Sicherheitsabstand auch in Aufenthaltsbereichen (ASR A4.4 Nr. 5.4 Abs. 6) zu gewährleisten, ist die freie Bewegungsfläche zu vergrößern.
  5. Zu empfehlen ist, möglichst jedem Team die erforderlichen Sanitär – und Sozialanlagen zur separaten Nutzung zur Verfügung zu stellen
  6. Zwischen den jeweiligen Nutzungen sind zeitliche Unterbrechungen vorzusehen. Auch dadurch können Kontaktmöglichkeiten der einzelnen Teams untereinander vermieden werden.

4.2. Grundlegende Hygienemaßnahmen und Reinigung

  1. Sorgen Sie regelmäßig für gründliche Durchlüftung
  2. Die Unterkünfte sind täglich und nach Bedarf zu reinigen. Sanitärräume und ihre Einrichtungen sind zu desinfizieren.
  3. Es ist sicherzustellen, dass in Sanitär- und Küchenbereichen stets Seife und Einmalhandtücher zur Verfügung stehen.
  4. Es sind Desinfektionsmittel in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen (mindestens 1 Spender je Zimmer, Bad, Toilette, Küche).
  5. Gemeinsam genutzte Bereiche sind zwischen den einzelnen Nutzungen zu lüften und zu reinigen.
  6. Zur Einhaltung und Kontrolle der regelmäßigen und gründlichen Reinigung wird das Anbringen eines Reinigungsplanes empfohlen. Auf diesem ist jede durchgeführte Reinigung vom beauftragten Reinigungspersonal mit Unterschrift zu bestätigen.
  7. Um das Waschen der Wäsche und Spülen von Geschirr bei mindestens 60°C zu gewährleisten sind Waschmaschinen und Geschirrspüler bereitzustellen.
  8. Es ist sicherzustellen, dass Arbeitskleidung und persönliche Kleidung regelmäßig gereinigt werden können und Räume zum Trocknen der Wäsche vorhanden sind bzw. Wäschetrockner bereitgestellt werden.

4.3. Information und Unterweisung der Beschäftigten

  1. Durch eine gezielte Unterweisung ist sicherzustellen, dass alle Bewohner der Unterkunft die notwendigen Informationen über die einzuhaltenden Schutzmaßnahmen erhalten und verstehen. „Hausordnungen“ sind entsprechend zu ergänzen.
  2. Hygieneregeln sind in den entsprechenden Landessprachen auszuhängen (siehe Abschnitt 1.1 g).

4.4. Weitere präventive Maßnahmen

  1. Die Saisonarbeitskräfte, die in der Unterkunft wohnen, sind zu erfassen und ihre Erreichbarkeit über geeignete Kontaktdaten ist sicherzustellen, um in einem Verdachtsfall entsprechende Quarantäneauflagen organisieren zu können.
  2. Für Einkäufe von Beschäftigten in umliegenden Geschäften sind ebenfalls die in Abschnitt 1. getroffenen Regelungen einzuhalten oder Sammeleinkäufe für die Beschäftigten durchzuführen.
  3. Die sinnvolle Bevorratung notwendiger Betriebsmittel, wie Dünger, Pflanzenschutz, Verpackungen für den Fall von Lieferengpässen im Betrieb sollte erfolgen.

B. Arbeitszeitvorschriften für Saisonarbeitskräfte / Erntehelfer in der Landwirtschaft [12]

  1. Die Beschäftigung an Sonn- und Feiertagen ist zulässig.
  2. Für die geleistete Sonn- und Feiertagsbeschäftigung ist jeweils ein Ersatzruhetag innerhalb eines Zeitraums von acht Wochen zu gewähren, spätestens bis zum Außerkrafttreten der Verordnung.
  3. Eine Verlängerung der täglichen Arbeitszeit auf maximal zwölf Stunden pro Tag ist bis zum 30. Juni 2020 zulässig. Die über acht Stunden hinaus geleistete Arbeitszeit ist innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen auf durchschnittlich acht Stunden werktäglich auszugleichen.
  4. Die wöchentliche Arbeitszeit ist auf 60 Stunden begrenzt (Verlängerung darüber hinaus nur in dringenden Ausnahmefällen möglich).
  5. Bei Arbeitszeiten von sechs bis neun Stunden sind Ruhepausen von mindestens 30 Minuten, bei Arbeitszeiten von mehr als neun Stunden mindestens 45 Minuten zu gewähren.[13]
  6. Nach der täglichen Arbeitszeit ist eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden zu gewähren. Eine Verkürzung der Ruhezeit um bis zu zwei Stunden entsprechend der COVID-19-ArbZV ist möglich, wobei eine Mindestruhezeit von neun Stunden nicht unterschritten werden darf. Jede Verkürzung der Ruhezeit ist innerhalb von vier Wochen vorzugsweise durch Gewährung freier Tage, ansonsten durch Verlängerung anderer Ruhezeiten auf jeweils mindestens 13 Stunden auszugleichen.
  7. Die bestehenden Dokumentationspflichten sind zu beachten.[14]

Weitere Hinweise gibt die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) unter: https://www.svlfg.de/corona-saisonarbeit

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit. Die regionalen Kontaktdaten finden Sie auf der Internetseite: https://lavg.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.429937.de.

 

Herausgeber:
Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz
Referat 15 Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, Produktsicherheit
Henning-von-Tresckow-Str. 2-13, 14467 Potsdam
E-Mail: poststelle@msgiv.brandenburg.de

Stand: 20.05.2020

[1] Mit freundlicher Unterstützung des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Landes Schleswig-Holstein und des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration

[2] https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2020/04/erntehelfer.html

[3]Hinweis: Unterlagen zu Hygieneregeln in vielen Sprachen und fremdsprachliche Informationsblätter können heruntergeladen werden unter https://www.infektionsschutz.de/coronavirus. Musterbetriebsanweisungen in verschiedenen Sprachen finden Sie unter  https://www.svlfg.de/betriebliche-pandemieplanung, Hygieneanweisungen unter https://gartenbau-verband.de/aktuelles

[4] https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/ASR/ASR-A3-6.html

[5] https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Biostoffe/FAQ/FAQ-2_node.html

[6] https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Liste.html

[7] https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/ASR/ASR-A4-1.html

[8] https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/ASR/ASR-A3-6.html

[9] https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/ASR/ASR-A4-1.html

[10] https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/ASR/ASR-A4-4.html

[11] Verordnung über Maßnahmen zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 und COVID-19 in Brandenburg (SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung - SARS-CoV-2-EindV) vom 17. April 2020 → https://bravors.brandenburg.de/br2/sixcms/media.php/76/GVBl_II_21_2020.pdf

[12] Verordnung zur Abweichung vom Arbeitszeitgesetz infolge der COVID-19-Epidemie (COVID-19-Arbeitszeitverordnung – COVID-19-ArbZV) vom 07.04.2020 (Außerkrafttreten am 31.07.2020)

[13] § 4 Arbeitszeitgesetz

[14] Allgemeinverfügung des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz zur Beschäftigung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern an Sonn- und Feiertagen sowie zur Verlängerung der täglichen Arbeitszeiten aus Anlass der Ausbreitung des Coronavirus (SARS-CoV-2) in Deutschland vom 17.03.2020 (befristet bis 30.05.2020), § 16 Abs. 2 ArbZG

A. Schutz vor Ansteckung mit dem Corona-Virus für Saisonarbeitskräfte / Erntehelfer in der Landwirtschaft [1]

Um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, ist die Landwirtschaft auf zahlreiche Saisonarbeitskräfte aus dem In- und Ausland angewiesen. Bei Ernte, Aussaat, Pflanzarbeiten und Pflege leben und arbeiten die Beschäftigten mit unterschiedlichen privaten Umfeldern und unterschiedlichster Herkunft zum Teil eng zusammen. Dadurch besteht für die Beschäftigten ein erhöhtes Risiko, sich gegenseitig mit dem Corona-Virus anzustecken. Die Arbeitgeber sind u. a. gemäß Arbeitsschutz- und Arbeitszeitgesetz verpflichtet, durch geeignete Arbeitsschutzmaßnahmen die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten zu gewährleisten. Das gilt nicht nur für die eigentlichen Arbeiten in der Landwirtschaft, sondern auch für die angemessene Unterbringung der Beschäftigten sowie den Transport vom und zum Arbeitsplatz.

Folgende (Sofort-) Maßnahmen tragen dazu bei, das Infektionsrisiko für Saisonarbeitskräfte / Erntehelfer in der Landwirtschaft zu verringern:

1. Anforderungen an die Organisation

Zur Deckung des Arbeitskräftebedarfs werden neben ausländischen Saisonarbeitskräften u. U. auch Mitarbeiter eingestellt, die sich z. B. über Plattformen wie https://www.saisonarbeit-in-deutschland.de/ gemeldet haben. Diese Saisonarbeitskräfte werden i. d. Regel aus dem näheren Umfeld kommen und damit nicht auf dem Betriebsgelände untergebracht sein. Damit steigt die Möglichkeit, dass eine Corona-Infektion nicht nur innerhalb des Betriebs, sondern auch über soziale Kontakte im Umfeld verbreitet werden kann.

Stellen Sie vor diesem Hintergrund als Arbeitgeber sicher, dass die Beschäftigten untereinander so wenig wie möglich in Kontakt kommen. Bilden Sie dazu vor Beginn der Tätigkeiten möglichst feste Teams von maximal 4 bis 8 Personen. Nur soweit eingesetzte Technologien (Sortieranlagen, Erntemaschinen, Verwiege- und Verpackungsmaschinen) dies nachweislich erfordern, sind größere Gruppen bis zu 15 Personen möglich. Achten Sie darauf, dass Beschäftigte aus der Umgebung in andere Teams eingeteilt sind als Beschäftigte, die auf dem Betriebsgelände untergebracht sind. Wenn dennoch ein Beschäftigter an COVID-19 erkranken sollte, muss ggf. nur sein Team unter Quarantäne gestellt werden, nicht aber der gesamte Betrieb (Totalausfall!).

Es gilt das Grundprinzip „Zusammen Wohnen – Zusammen Arbeiten (ZWZA)“.

Dieses Grundprinzip gilt für alle folgenden Bereiche:

  • während der Anreise vom Heimat- zum Arbeitsort (wenn irgendwie möglich),
  • bei der Unterbringung in den Wohnunterkünften,
  • bei allen Freizeitaktivitäten,
  • beim Transport zum und vom Feld / Arbeitsort,
  • an den Arbeitsplätzen,
  • in Pausenräumen (Tagesunterkünften).

1.1 Erforderliche Maßnahmen des Arbeitgebers bei der Ankunft von Saisonarbeitskräften im Betrieb

  1.  Die Quarantäne-Regelungen für Neuanreisende während der ersten 14 Tage gemäß Punkt 3c des Konzeptpapiers des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat und des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sind zu beachten.[2]
  2. Die ankommenden Saisonarbeitskräfte sind verbindlich in feste Teams von maximal 4 bis 8 Personen einzuteilen.
  3. Es ist eine für die gesamte Zeit des Aufenthalts verbindliche Zimmer-/Wohneinteilung in den Unterkünften vorzunehmen.
  4. Klare Festlegungen zu den im Betrieb geltenden Abstandsregeln sind zu treffen: Mindestabstand 1,5 m.
  5. Ersatzcontainer bzw. Ersatzunterkünfte für die Quarantäne von infektionsverdächtigen oder ggf. an Covid-19 erkrankten Beschäftigten sind in ausreichender Zahl bereitzustellen und es ist dafür zu sorgen, dass diese mit einer Krankentrage leicht erreicht werden können sowie über gesonderte Sanitärbereiche verfügen. In diesem Raum sind Trinkwasser oder alkoholfreie Getränke zur Verfügung zu stellen. Der Standort dieser Einrichtungen ist den Saisonarbeitskräften bekannt zu geben.
  6. Meldewege für Saisonarbeitskräfte, bei denen der Verdacht auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 besteht, sind festzulegen (Vorarbeiter, Arbeitgeber, Arzt, Gesundheitsamt etc.). Infomieren Sie sich direkt bei Ihrer Gesundheitsbehörde, damit Sie für den Notfall vorbereitet sind.
  7. Die Saisonarbeitskräfte sind in der jeweiligen Landessprache zum hygienischen Verhalten und zu den Regelungen im Krankheitsfall (COVID-19) zu unterweisen[1]. Schulungen zur Einhaltung der Hygieneregeln sind durchzuführen. Zeitpunkt und Inhalt der Unterweisungen sowie die Namen der unterwiesenen Saisonarbeitskräfte sind zu dokumentieren. 

2. Arbeitsschutz und Infektionsschutz

2.1. Grundlegende Maßnahmen

  1. Festlegung von Verantwortlichkeiten und Vertretungsregelungen für den Arbeitgeber und weiterer für den Betriebsablauf zwingend notwendiger Führungskräfte.
  2. Strikte Einhaltung des Grundprinzips „Zusammen Wohnen – Zusammen Arbeiten (ZWZA)“.
  3. Die Personenzahl in den einzelnen Tätigkeitsbereichen ist so gering wie möglich zu halten.
  4. Geschlossene Arbeitsbereiche sind ausreichend zu lüften, um die Anzahl der Infektionserreger in der Luft gering zu halten. Gemäß Nummer 5.4 der ASR A1.6 „Lüftung“[4] soll mindestens einmal in der Stunde eine Stoßlüftung von 5 bis 10 Minuten Dauer erfolgen.
  5. Auch bei allen arbeitsbezogenen Kontakten sind soweit wie möglich Sicherheitsabstände von mindestens 1,5 m einzuhalten. In jedem Fall müssen diese Abstände zwischen den verschiedenen Teams vor Ort eingehalten werden.
    Dies kann beispielsweise erfolgen durch möglichst weit auseinanderliegende Arbeitsbereiche, zeitlich versetzte Nutzung gemeinsam zu nutzender Einrichtungen, unterschiedliche Zeiten von Arbeitsbeginn und –ende.
  6. Falls aus arbeitstechnischen Gründen der Sicherheitsabstand von 1,5 m nicht eingehalten werden kann, sind andere geeignete Schutzmaßnahmen vor Corona-Infektionen zu treffen. [5], [6]
    • Der Einsatz von z.B. Schutzscheiben oder aufgespannten Schutzfolien zum Schutz der Beschäftigten (z. B. an Sortierbändern, Theken, Verpackungsstraßen, etc.) kann als ein möglicher "Baustein" zur Unterbrechung der Infektionskette angesehen werden. Durch diesen „Schutzschirm“ wird die unmittelbare Belastung der Beschäftigten durch die Atemluft anderer Beschäftigter bzw. Personen gehemmt. Die Baugröße sollte den Atembereich abdecken, so dass von den typischen Körpermaßen erwachsener Personen ausgegangen werden kann.
    • Die Verwendung einer Mund-Nasen-Schutzes (MNS) oder einer alternativen, ggf. textilen Barriere im Sinne eines MNS kann sinnvoll sein, um das Risiko einer Ansteckung anderer Personen durch die größtmögliche Zurückhaltung von Tröpfchen, welche beim Husten oder Niesen entstehen, zu verringern (Schutz der Mitmenschen). Für die optimale Wirksamkeit ist es wichtig, dass ein MNS korrekt sitzt, d.h. enganliegend getragen wird, bei Durchfeuchtung gewechselt wird und während des Tragens keine (auch keine unbewussten) Manipulationen daran vorgenommen werden. Der MNS muss nach dem Gebrauch entsorgt oder, soweit vom Material her möglich, heiß (> 60°C) gewaschen werden.
      Auf keinen Fall darf die Verwendung einer mechanischen Barriere oder das Tragen eines MNS dazu führen, dass die sonstigen Regeln (Abstand wo immer möglich halten, ausreichende Händehygiene) außer Acht gelassen werden.
    • Arbeitsmittel sollen möglichst personenbezogen verwendet und regelmäßig gereinigt werden.
    • Ist die Nutzung von Arbeitsmitteln durch mehrere Personen unabdingbar, sind diese regelmäßig zu reinigen und ggf. zu desinfizieren.
    • Sofern für die Ausführung der Arbeitsaufgabe vorgeschrieben oder sinnvoll sind Schutzhandschuhe zu verwenden.
    • In Wartebereichen (z. B. Abfahrtstellen für den Transport, Ausgabe von Verpflegung, Verkaufstheken, Hofläden) sind Markierungen für einen ausreichenden Abstand untereinander, zu anderen Personen oder Beschäftigten anzubringen (z. B. Bodenmarkierung, Flatterbänder).

2.2 Strukturierung von Arbeitsabläufen

  1. a) Nutzen Sie soweit wie möglich das Telefon auch für innerbetriebliche Absprachen, z. B. zwischen Betriebsleitung und Vorarbeitern.
  2. Erfordern Arbeitsbesprechungen die persönliche Anwesenheit, sind diese auf die Anzahl der unbedingt erforderlichen Teilnehmenden zu beschränken.
  3. Bei Arbeitsbesprechungen Mindestabstand einhalten; wenn möglich im Freien, nicht in geschlossenen Räumen.

2.3. Organisation und Gestaltung der Pausen

  1. Organisieren Sie im Voraus feststehende unterschiedliche Pausen- und Nutzungszeiten für Küchen für die einzelnen Teams. Falls derselbe Pausenraum bzw. –bereich oder dieselbe Küche von verschiedenen Teams genutzt wird, sind zwischen den einzelnen Nutzungen zeitliche Unterbrechungen vorzusehen. Dadurch können Kontaktmöglichkeiten der einzelnen Teams untereinander bei Pausenende bzw. –beginn vermieden werden.
  2. Pausenräume bzw. –bereiche und Küchen müssen so groß sein, dass ein ausreichender Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 m zwischen den Beschäftigten gewährleistet ist.
  3. Die Pausenräume bzw. -bereiche und Küchen sind nach jeder Nutzung und am Ende des Tages zu reinigen (desinfizieren) und regelmäßig zu .
  4. Reinigen Sie insbesondere auch Handläufe auf Treppen und Türklinken in Pausenräumen und anderen gemeinschaftlich genutzten Räumen
  5. Bei der Ausstattung der Pausenräume bzw. –bereiche und Küchen sind nur leicht zu reinigende Oberflächen zu verwenden.
  6. Auch in den Pausen und während der Essenszeiten sind Hygieneregeln und Sicherheitsabstände einzuhalten.
  7. Bieten Sie vorzugsweise vorbereitete Speisen an, z. B. Lieferdienste, oder eine Gemeinschaftsverpflegung, da bei der individuellen Zubereitung von Speisen Sicherheitsabstände und Hygieneregeln kaum eingehalten werden können.
  8. Bei einer Gemeinschaftsverpflegung sind Warteschlangen bei der Essensausgabe und bei der Geschirrrückgabe mit entsprechender Abstandsmarkierung zu versehen und soweit möglich durch gestaffelte Essenszeiten zu vermeiden.

2.4. Sanitäreinrichtungen

  1. Stellen Sie Sanitärräume gemäß den in der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A4.1 „Sanitärräume“[7] veröffentlichten Anforderungen zur Verfügung. Diese müssen über eine ausreichende Anzahl an Handwaschgelegenheiten mit fließendem Wasser, Seife und Einmalhandtücher verfügen.
  2. In der Nähe der Arbeitsplätze auf dem Feld sind Toilettenkabinen und geeignete Handwaschgelegenheiten zur Verfügung zu stellen.
  3. Um in der derzeitigen Infektionslage die Mindestanforderungen an die Händehygiene, d. h. regelmäßiges Händewaschen, erfüllen zu können, müssen diese Handwaschgelegenheiten mit Seife, Einmalhandtüchern und Wasser in ausreichender Menge ausgestattet sein.
  4. Sanitäreinrichtungen sind täglich gründlich zu reinigen und zu desinfizieren.

2.5.  Maßnahmen bei Verdacht einer Infektion bzw. bei Erkrankung eines Beschäftigten an COVID-19

  1. Wenn ein Erkrankungsfall (laborbestätigter COVID-19-Fall) oder ein ärztlich begründeter Verdachtsfall (entsprechend der Falldefinition Coronavirus Disease 2019 des RKI) auftritt, ist das gesamte Team unverzüglich unter Quarantäne zu stellen, das Gesundheitsamt zu informieren (Meldepflicht) und eine getrennte Unterbringung sicherzustellen Weitergehende Anordnungen des Gesundheitsamtes bleiben unberührt bzw. können getroffen werden.
  2. Sorgen Sie dafür, dass für die Meldung beim Gesundheitsamt bzw. beim Arzt die notwendigen Informationen (z.B. Name und Telefonnummer der Erkrankten) zur Verfügung stehen.

3. Transport zwischen Unterkunft und Einsatzort, Zugangsregeln

  1. Fahrgemeinschaften sind nur innerhalb der verbindlich festgelegten Teams möglich. Dennoch ist dabei die Anzahl der Beschäftigten, die gemeinsam in einem Fahrzeug zum Arbeitsbereich an- und abreisen, auf das notwendige Maß zu begrenzen. Dies ist z. B. möglich durch Erhöhung der Transportmittelzahl oder der Anzahl der durchgeführten Transporte.
  2. Ein gemeinsamer Transport mehrerer Teams in einem Transportmittel ist nur möglich, wenn zwischen den Teams der erforderliche Sicherheitsabstand von 1,5 m eingehalten wird und es sich um ein offenes Transportmittel handelt.
  3. Die Innenräume der Transportmittel sind nach jeder Fahrt ausreichend zu lüften und regelmäßig zu reinigen.
  4. Sorgen Sie dafür, dass betriebsfremde Personen oder Kundschaft nicht Bereiche gelangen können, die als Arbeits- oder Wohnbereiche für die Teams genutzt werden.
  5. Auf Abschnitt 2.1 j) wird verwiesen.

4. Anforderungen an Wohnunterkünfte

Die im Arbeitsstättenrecht in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten ASR A3.6 „Lüftung“ [8], ASR A4.1 „Sanitärräume“[9] und ASR A4.4 „Unterkünfte“[10] enthaltenen Regelungen reichen derzeitig nicht aus, um in Bezug auf den Schutz der Beschäftigten vor einer Infektion mit dem Corona-Virus den Stand der Arbeitsmedizin und der Hygiene zu beschreiben. Hier und insbesondere beim Betreiben einer Wohnunterkunft sind zusätzlich die konkreten Maßnahmen der aktuellen Bekanntmachungen des RKI umzusetzen. Analog zu den Regelungen der SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung[11] der brandenburgischen Landesregierung muss zudem die weitreichende Forderung nach der generellen Vermeidung sämtlicher nicht notwendiger Sozialkontakte als Bewertungsmaßstab herangezogen werden.

Zusammengefasst bestehen unter den derzeitigen Erkenntnissen und Vorgaben des RKI mindestens die folgenden Anforderungen.

4.1.    Raumnutzung und Belegungszahlen

Bei der Unterbringung der Beschäftigten sind die bestehenden Anforderungen der ASR A4.4 zu beachten, insbesondere zur maximalen Anzahl der Betten im Schlafraum und der Mindestnutzfläche pro Bewohner.

Um im Sinne eines wirksamen Infektionsschutzes vor dem Corona-Virus die Einhaltung der Sicherheitsabstände von mindestens 1,5 m gewährleisten zu können, sind eine Reduzierung der „normalen“ Belegungszahlen und entsprechende Anordnungen des Mobiliars geboten.

  1. Es ist davon auszugehen, dass die Umsetzung der derzeitigen Hygieneanforderungen erfüllt werden, wenn jedem Beschäftigten ein Raum zur Verfügung steht. Anzustreben ist somit eine Einzelbelegung von Schlafräumen.
  2. Bei der Belegung von Mehrbettzimmern ist der jeder Person nach der ASR A4.4 zur Verfügung zu stellende Flächenbedarf im Schlafbereich von 6 m2 auf 12 m2 zu verdoppeln. Hieraus resultiert, dass die nach ASR A4.4 ansonsten übliche Belegungsdichte halbiert wird. In einem Schlafbereich dürfen maximal vier Personen untergebracht werden. Ausnahmen bestehen für Familien.
  3. In einem Mehrbettzimmer dürfen nur solche Betten genutzt werden, mit denen sich die Sicherheitsabstände einhalten lassen. Etagenbetten dürfen grundsätzlich nur einfach belegt werden. Ausnahmen bestehen für Partner bzw. enge Familienangehörige.
  4. Alle Räume/Bereiche sollen so groß sein, dass ein ausreichender Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 m zwischen den einzelnen Beschäftigten möglich ist. Um diesen Sicherheitsabstand auch in Aufenthaltsbereichen (ASR A4.4 Nr. 5.4 Abs. 6) zu gewährleisten, ist die freie Bewegungsfläche zu vergrößern.
  5. Zu empfehlen ist, möglichst jedem Team die erforderlichen Sanitär – und Sozialanlagen zur separaten Nutzung zur Verfügung zu stellen
  6. Zwischen den jeweiligen Nutzungen sind zeitliche Unterbrechungen vorzusehen. Auch dadurch können Kontaktmöglichkeiten der einzelnen Teams untereinander vermieden werden.

4.2. Grundlegende Hygienemaßnahmen und Reinigung

  1. Sorgen Sie regelmäßig für gründliche Durchlüftung
  2. Die Unterkünfte sind täglich und nach Bedarf zu reinigen. Sanitärräume und ihre Einrichtungen sind zu desinfizieren.
  3. Es ist sicherzustellen, dass in Sanitär- und Küchenbereichen stets Seife und Einmalhandtücher zur Verfügung stehen.
  4. Es sind Desinfektionsmittel in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen (mindestens 1 Spender je Zimmer, Bad, Toilette, Küche).
  5. Gemeinsam genutzte Bereiche sind zwischen den einzelnen Nutzungen zu lüften und zu reinigen.
  6. Zur Einhaltung und Kontrolle der regelmäßigen und gründlichen Reinigung wird das Anbringen eines Reinigungsplanes empfohlen. Auf diesem ist jede durchgeführte Reinigung vom beauftragten Reinigungspersonal mit Unterschrift zu bestätigen.
  7. Um das Waschen der Wäsche und Spülen von Geschirr bei mindestens 60°C zu gewährleisten sind Waschmaschinen und Geschirrspüler bereitzustellen.
  8. Es ist sicherzustellen, dass Arbeitskleidung und persönliche Kleidung regelmäßig gereinigt werden können und Räume zum Trocknen der Wäsche vorhanden sind bzw. Wäschetrockner bereitgestellt werden.

4.3. Information und Unterweisung der Beschäftigten

  1. Durch eine gezielte Unterweisung ist sicherzustellen, dass alle Bewohner der Unterkunft die notwendigen Informationen über die einzuhaltenden Schutzmaßnahmen erhalten und verstehen. „Hausordnungen“ sind entsprechend zu ergänzen.
  2. Hygieneregeln sind in den entsprechenden Landessprachen auszuhängen (siehe Abschnitt 1.1 g).

4.4. Weitere präventive Maßnahmen

  1. Die Saisonarbeitskräfte, die in der Unterkunft wohnen, sind zu erfassen und ihre Erreichbarkeit über geeignete Kontaktdaten ist sicherzustellen, um in einem Verdachtsfall entsprechende Quarantäneauflagen organisieren zu können.
  2. Für Einkäufe von Beschäftigten in umliegenden Geschäften sind ebenfalls die in Abschnitt 1. getroffenen Regelungen einzuhalten oder Sammeleinkäufe für die Beschäftigten durchzuführen.
  3. Die sinnvolle Bevorratung notwendiger Betriebsmittel, wie Dünger, Pflanzenschutz, Verpackungen für den Fall von Lieferengpässen im Betrieb sollte erfolgen.

B. Arbeitszeitvorschriften für Saisonarbeitskräfte / Erntehelfer in der Landwirtschaft [12]

  1. Die Beschäftigung an Sonn- und Feiertagen ist zulässig.
  2. Für die geleistete Sonn- und Feiertagsbeschäftigung ist jeweils ein Ersatzruhetag innerhalb eines Zeitraums von acht Wochen zu gewähren, spätestens bis zum Außerkrafttreten der Verordnung.
  3. Eine Verlängerung der täglichen Arbeitszeit auf maximal zwölf Stunden pro Tag ist bis zum 30. Juni 2020 zulässig. Die über acht Stunden hinaus geleistete Arbeitszeit ist innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen auf durchschnittlich acht Stunden werktäglich auszugleichen.
  4. Die wöchentliche Arbeitszeit ist auf 60 Stunden begrenzt (Verlängerung darüber hinaus nur in dringenden Ausnahmefällen möglich).
  5. Bei Arbeitszeiten von sechs bis neun Stunden sind Ruhepausen von mindestens 30 Minuten, bei Arbeitszeiten von mehr als neun Stunden mindestens 45 Minuten zu gewähren.[13]
  6. Nach der täglichen Arbeitszeit ist eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden zu gewähren. Eine Verkürzung der Ruhezeit um bis zu zwei Stunden entsprechend der COVID-19-ArbZV ist möglich, wobei eine Mindestruhezeit von neun Stunden nicht unterschritten werden darf. Jede Verkürzung der Ruhezeit ist innerhalb von vier Wochen vorzugsweise durch Gewährung freier Tage, ansonsten durch Verlängerung anderer Ruhezeiten auf jeweils mindestens 13 Stunden auszugleichen.
  7. Die bestehenden Dokumentationspflichten sind zu beachten.[14]

Weitere Hinweise gibt die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) unter: https://www.svlfg.de/corona-saisonarbeit

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit. Die regionalen Kontaktdaten finden Sie auf der Internetseite: https://lavg.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.429937.de.

 

Herausgeber:
Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz
Referat 15 Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, Produktsicherheit
Henning-von-Tresckow-Str. 2-13, 14467 Potsdam
E-Mail: poststelle@msgiv.brandenburg.de

Stand: 20.05.2020

[1] Mit freundlicher Unterstützung des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Landes Schleswig-Holstein und des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration

[2] https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2020/04/erntehelfer.html

[3]Hinweis: Unterlagen zu Hygieneregeln in vielen Sprachen und fremdsprachliche Informationsblätter können heruntergeladen werden unter https://www.infektionsschutz.de/coronavirus. Musterbetriebsanweisungen in verschiedenen Sprachen finden Sie unter  https://www.svlfg.de/betriebliche-pandemieplanung, Hygieneanweisungen unter https://gartenbau-verband.de/aktuelles

[4] https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/ASR/ASR-A3-6.html

[5] https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Biostoffe/FAQ/FAQ-2_node.html

[6] https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Liste.html

[7] https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/ASR/ASR-A4-1.html

[8] https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/ASR/ASR-A3-6.html

[9] https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/ASR/ASR-A4-1.html

[10] https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/ASR/ASR-A4-4.html

[11] Verordnung über Maßnahmen zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 und COVID-19 in Brandenburg (SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung - SARS-CoV-2-EindV) vom 17. April 2020 → https://bravors.brandenburg.de/br2/sixcms/media.php/76/GVBl_II_21_2020.pdf

[12] Verordnung zur Abweichung vom Arbeitszeitgesetz infolge der COVID-19-Epidemie (COVID-19-Arbeitszeitverordnung – COVID-19-ArbZV) vom 07.04.2020 (Außerkrafttreten am 31.07.2020)

[13] § 4 Arbeitszeitgesetz

[14] Allgemeinverfügung des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz zur Beschäftigung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern an Sonn- und Feiertagen sowie zur Verlängerung der täglichen Arbeitszeiten aus Anlass der Ausbreitung des Coronavirus (SARS-CoV-2) in Deutschland vom 17.03.2020 (befristet bis 30.05.2020), § 16 Abs. 2 ArbZG

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Broschüre: Arbeitsschutzbericht 2018
Titel Arbeitsschutzbericht 2018