30.04.2021

| 253/2021

Ein Jahr Corona-Hilfe für Gemeinschaftsunterkünfte: Erfolgreiches Angebot des Krisenberatungsteams wird fortgesetzt

Das Krisenberatungsteam für Geflüchtete feiert heute (30.04.) sein einjähriges Bestehen. Das Angebot war zu Beginn der Corona-Pandemie vom Gesundheitsministerium mit Unterstützung mehrerer Partner ins Leben gerufen worden, um in Gemeinschaftsunterkünften mit fachlicher Expertise präventiv tätig zu sein und in Krisensituationen zu vermitteln. Das Krisenberatungsteam war in dem ersten Jahr insgesamt 80 Mal im Einsatz. Gesundheits- und Sozialministerin Ursula Nonnemacher würdigte die Leistung des mobilen Teams: „Die Arbeit der Expertinnen und Experten in diesen sehr sensiblen Bereichen kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das Projekt ist auch für die Impfaufklärung wichtig und soll daher fortgesetzt werden.“

Das Zusammenleben von Geflüchteten in Gemeinschaftsunterkünften ist mit besonderen Herausforderungen verbunden, die sich aus der speziellen Wohnsituation ergeben. Im Gegensatz zum Leben in Wohnungen müssen sich die Bewohnerinnen und Bewohner etwa Küchen und Bäder teilen. Sprachbarrieren beeinträchtigen darüber hinaus den Informationsfluss – vor allem mit Blick auf neue Erkenntnisse und Entwicklungen hinsichtlich der Verbreitung des Coronavirus sowie das Verständnis für erforderliche Präventionsmaßnahmen und Regelungen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens.

Ministerin Nonnemacher: „In solchen Situationen sind Fingerspitzengefühl und Erfahrung gefragt, um Informationen erfolgreich zu vermitteln, für gebotene Verhaltensweisen zu sensibilisieren, eventuell auftretende Ursachen für Spannungen zu erkennen und zwischen Geflüchteten zu vermitteln. Den Expertinnen und Experten unserer Projektpartner ist das in hervorragender Weise gelungen. Darüber hinaus wurde in den letzten Monaten enorm wertvolle Präventionsarbeit geleistet, die dazu beigetragen hat, das Infektionsgeschehen in den Unterkünften unter Kontrolle zu halten.“

Seit dem Beginn der Pandemie wurden in Brandenburgs Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge knapp 930 Infektionen mit dem Coronavirus registriert.

Ein interdisziplinäres Krisenberatungsteam für Geflüchtete besteht in der Regel aus drei bis fünf Experten mit medizinischer, psychosozialer, sprachmittlerischer und interkultureller Kompetenz. Die psychosoziale Arbeit während der Einsätze wird von den Trägern Inter Homines e.V. und Albatros gGmbH geleistet. Letzterer stellt auch ab Mai einen Arzt mit Migrationshintergrund, nachdem die bisherige Teamärztin, die vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Berlin-Brandenburg (MDK) freigestellt war, aus gesundheitlichen Gründen aus dem Projekt ausscheiden musste. Beide Träger setzen ausschließlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund ein. Ergänzend werden außerdem Sprachmittlerinnen und -mittler des Gemeindedolmetschdienstes Brandenburg hinzugezogen. So fanden in den Unterkünften Beratungen in Deutsch, Englisch, Franzö-sisch, Russisch, Arabisch, Persisch (Farsi/Dari) und Paschto statt. Koordiniert werden die Einsätze vom Fachzentrum für Soziale Fachzentrum für Soziale Arbeit in den Bereichen Migration und Integration der Gesellschaft für Inklusion e.V.

„Ich danke den Projektträgern und ihren Fachleuten für ihren unermüdlichen Einsatz in den letzten zwölf Monaten. Gerade in der Anfangszeit wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oft auch spät abends und am Wochenende gerufen und um Rat gebeten“, sagte Angela Bernasch, Referentin für Migrationssozialarbeit im Sozialministerium, die das Team aufgebaut hat.

Die Einsätze des Teams erfolgen auf Anfrage der kreisfreien Städte und der Landkreise oder den Gemeinschaftseinrichtungen direkt. Fast alle Städte und Kreise haben das Angebot in den letzten zwölf Monaten auch in Anspruch genommen. Stand anfangs noch die Krisenbewältigung, etwa bei der Verhängung von Quarantänemaßnahmen, im Mittelpunkt, dienten die Einsätze später vor allem der Prävention von Infektionsgeschehen. Inzwischen hat sich ein Großteil der Arbeit auf die Aufklärung über die Impfkampagne zur Bewältigung der Pandemie verlagert. Bewohnerinnen und Bewohner von Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete gehören nach der Coronavirus-Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums zur Priorisierungsstufe 2 („hohe Priorität“).

Ministerin Nonnemacher: „Ich freue mich sehr, dass wir mit dem Krisenberatungsteam auch weiterhin über ein Angebot verfügen, mit dem wir bei auftretenden Herausforderungen in Gemeinschaftsunterkünften kompetent beraten und unterstützen können. Die dort lebenden Menschen haben häufig unfassbares Leid hinter sich und bedürfen in der Pandemie unserer besonderen Fürsorge. Ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Teams ganz herzlich für ihren Einsatz. Nur gemeinsam schaffen wir es aus der Krise.“