12.11.2015

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„Starke Familien - Starke Kinder“ – Runder Tisch gegen Kinderarmut / Diana Golze: Kein Kind darf in der Armutsfalle stecken bleiben

Sozialministerin Diana Golze hat heute in Brandenburg an der Havel das öffentliche Startsignal für die Initiative „Starke Familien - Starke Kinder“ – Runder Tisch gegen Kinderarmut gegeben. Mit dieser Veranstaltung, an der bis zum Nachmittag über 100 Akteurinnen und Akteure teilnehmen, soll ein Aktionsbündnis zur Vermeidung und Bekämpfung von Kinderarmut geschmiedet werden. Diana Golze: „Kinderarmut ist auch in Brandenburg eines der drängendsten Probleme unserer Zeit. Kinder leiden besonders stark unter den Folgen von Armut. Es fehlt aber in den Familien nicht einfach nur Geld. Für die Kinder heißt arm zu sein in erster Linie nicht dabei sein zu können. Kein Kind darf in dieser Armutsfalle stecken bleiben. Jedes Kind hat das gleiche Recht auf Teilhabe, Bildung und gesundes Aufwachsen.“

In Brandenburg gelten nach neuesten Zahlen (2014) über 21% aller Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren als materiell armutsgefährdet. Der Runde Tisch leitet einen längerfristigen Prozess der Auseinandersetzung mit dem komplexen Problem Kinderarmut in Brandenburg ein. Dabei sollen die für Kinderarmut relevanten Lebensbereiche Materielles, soziale Lage, Bildung sowie Gesundheit in allen Regionen Brandenburgs berücksichtigt werden. Im Zentrum der heutigen Veranstaltung steht die Vorstellung und Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung. In der Erklärung machen die Erstunterzeichnenden mit der Landesregierung deutlich, dass „wir in einem breiten gesellschaftlichen Konsens tragfähige Konzepte entwickeln wollen, die an den Lebenslagen der Kinder orientiert sind und die regionalen und lokalen Besonderheiten berücksichtigen“. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Partizipation von Kindern und Jugendlichen. Gemeinsam mit Kindern als Expertinnen und Experten in eigener Sache, aber natürlich auch mit deren Eltern sowie Menschen, die im Ehrenamt oder beruflich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sollen Ideen erarbeitet und Strategien entwickelt werden, die einen wirksamen Beitrag zur Bekämpfung von Kinderarmut leisten.

Sozialministerin Diana Golze: „Dabei wollen wir bestehende und bewährte Strukturen und Konzepte, die der Prävention von Kinder- und Familienarmut dienen, erhalten, stärken und weiterentwickeln. Alle Beteiligten können und wollen viel voneinander lernen.“

Gerda Holz vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V.: „Familiäre Einkommensarmut hat komplexe Folgen für Kinder und Jugendliche, aber auch für deren Eltern. Armutsbetroffenen jungen Menschen ein Aufwachsen im Wohlergehen und mit Zukunftsperspektiven zu sichern, bedeutet, den begrenzten familiären Ressourcen durch ein Mehr an gesellschaftlicher Unterstützung und Engagement zu begegnen. Die Rahmenbedingungen des Aufwachsens armer Kinder zu verändern, erfolgt durch armutssensibles Handeln von Menschen, durch Präventionskonzepte aller relevanten Institutionen sowie durch eine strukturell angelegte und systematische Armutsprävention der öffentlichen Hand.“

Staatssekretär für Bildung, Jugend und Sport Dr. Thomas Drescher:
„Das Bildungsministerium leistet ganz konkrete eigene Beiträge, um Familien zu unterstützen. Dazu gehört der Schülersozialfonds. Mit ihm ermöglichen wir jährlich vielen tausend Schülerinnen und Schülern unbürokratisch die Teilhabe an kostenpflichtigen schulischen Angeboten und Aktivitäten. Insgesamt stehen dafür jährlich bis zu 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. Meine besondere Hochachtung gilt den Eltern, die finanziell nicht gut ausgestattet, aber alles daran setzen, damit ihre Kinder in der Schule gut vorankommen. Sie legen damit den Grundstein für eine gute Berufsentwicklung. Das unterstützen wir zum Beispiel mit unserem bundesweit einmaligen Schüler-BaföG. Jedes Schuljahr profitieren davon bis zu etwa 2.500 Jugendliche mit monatlich bis zu 100 Euro. Diese Verantwortung übernehmen aber leider nicht alle betroffenen Eltern. Ich bitte sie dringend, dieser Pflicht gegenüber ihren Kindern nachzukommen. Die Armutsspirale muss durchbrochen werden. Eigenes Engagement ist dafür eine Voraussetzung.“

Andreas Kaczynski, 1. Sprecher der Landesarmutskonferenz:Der von der Ministerin initiierte „Runde Tisch“ kann sicherlich die Aufmerksamkeit für das Thema erhöhen und Initiativen bündeln. Er kann sie aber nicht ersetzen! Dafür bedarf es der Anstrengung aller gesellschaftlichen Kräfte, aufmerksamer Kommunen und der Kreativität vieler kleiner und großer Träger von Kita, Schule oder Beratungseinrichtungen vor Ort. Es gibt längst vielversprechende Ansätze, angefangen von Familienzentren, über  Mentorenmodelle und Familiengruppen. Wir müssen diesen Erfahrungsschatz heben und den Kindern und Eltern in Brandenburg konkrete Angebote machen.“

Ziel des Runden Tisches gegen Kinderarmut ist es, im Dialog Handlungsmöglichkeiten zur besseren gesellschaftlichen Teilhabe benachteiligter Kinder zu entwickeln und gute Praxisbeispiele zu veranschaulichen und bekannt zu machen. Dazu sind Themenjahre mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung wie materielle Armut, soziale Lage, Bildung und Gesundheit geplant. Wichtig ist die breite Beteiligung der Initiativen vor Ort. Diese konnten bereits in diesem Jahr eine Projektförderung in Anspruch nehmen. Für das kommende Jahr stellt das MASGF weitere 300.000 Euro zur Verfügung.

Begleitend wird eine Website erstellt, die ab Anfang Dezember unter www.starke-familien-starke-kinder.de freigeschaltet ist.

Bitte die gemeinsame Erklärung im Anhang beachten!

Ident-Nr
170/2015
Datum
12.11.2015
Rubrik
Soziales , Familie
Ident-Nr
170/2015
Datum
12.11.2015
Rubrik
Soziales , Familie