06.01.2016

| 002/2016

Vorstellung des dritten länderübergreifenden Gesundheitsberichtes Berlin-Brandenburg: Demografischer Wandel ist größte Herausforderung

Der Krankenstand von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Berlin und Brandenburg hat sich in den letzten Jahren auf einem stabilen Niveau eingependelt. Mit Blick auf die Altersentwicklung werden die Auswirkungen des demografischen Wandels allerdings zunehmend zur Herausforderung: Ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Berlin und Brandenburg sind von Krankenständen, Arbeitsunfällen und Frühverrentungen besonders stark betroffen. Mit zunehmendem Alter spielen schwerwiegendere Erkrankungen, die mit längeren Fehlzeiten einhergehen oder gar einen frühzeitigen Austritt aus dem Arbeitsleben erzwingen, eine immer größere Rolle. Schon heute stellt die Altersgruppe der 45- bis 54-Jähringen die größte Gruppe der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Region. Durch den demografischen Wandel könnten Arbeitsausfälle zukünftig steigen.

Dies zeigt der dritte länderübergreifende Gesundheitsbericht Berlin-Brandenburg, der zum ersten Mal Daten von gesetzlichen Krankenkassen sowie Unfall- und Rentenversicherungen erfasst. Der durch das Cluster Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg – HealthCapital initiierte Bericht basiert auf Daten von rund 80 Prozent (1.596.851 Personen) aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten GKV-Versicherten in Berlin und Brandenburg aus den Jahren 2012 und 2013. Die Ergebnisse unterstreichen den hohen Stellenwert präventiver Maßnahmen im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements, um die Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer so lange wie möglich zu sichern – ein Aspekt, der durch das Inkrafttreten des Präventionsgesetzes zum 01. Januar 2016 besonders an Relevanz gewinnt.   

Emine Demirbüken-Wegner, Staatssekretärin der Senatsverwaltung für Gesundheit, Land Berlin, sagt: „Dieser neue länderübergreifende Gesundheitsbericht ist eine wichtige Grundlage, um das Präventionsgesetz im Setting Arbeitswelt umsetzen zu können. Die Handlungsbedarfe können nun noch genauer identifiziert und die Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung zielgenauer geschaffen werden – aufbauend auf der erfolgreich praktizierten trägerübergreifenden Zusammenarbeit von Kranken- und Ersatzkassen, der Deutschen Rentenversicherung und Unfallkasse unter dem Dach von HealthCapital Berlin-Brandenburg. Die betriebliche Gesundheitsförderung ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, des Fachkräftemangels und der zunehmenden Arbeitsdichte ein Schlüsselfaktor, um den Herausforderungen auch zukünftig gewachsen zu sein.“

Almuth Hartwig-Tiedt, Staatssekretärin des Ministeriums für Gesundheit, Land Brandenburg, sagt: „Wir haben im Land Brandenburg das Thema Gute Arbeit als klare Richtschnur im Koalitionsvertrag verankert. Gute Arbeit bedeutet für uns anständige Bezahlung, sichere Arbeitsplätze, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, altersgerechte Arbeitsbedingungen, ein betriebliches Gesundheitsmanagement, hohe Standards beim Arbeitsschutz und eine funktionierende Sozialpartnerschaft. Die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten sowie eine menschengerechte sowie gesundheitsförderliche Gestaltung der Arbeit sind hier zu Recht aufgeführte Kriterien guter Arbeit. Denn: Die beste Ausbildung und eine hohe Qualifikation nutzen wenig, wenn die Beschäftigten durch unzureichend gestaltete Arbeitsbedingungen ihr Leistungsvermögen nicht ausschöpfen können oder in der Folge sogar krank werden.“

Der Krankenstand in der Region bleibt auch für die Wirtschaft nicht ohne Folgen. Fehlzeiten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern führen zu hohen Produktionsausfällen in den Betrieben.

Dr. Kai Uwe Bindseil, Clustermanager Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg – HealthCapital und Geschäftsbereichsleiter Gesundheitswirtschaft von Berlin Partner betont: „Der Krankenstand verursachte 2013 einen Produktionsausfall von 3,1 Milliarden Euro in Berlin und Brandenburg. Die wirtschaftlichen Konsequenzen zeigen einmal mehr, wie wichtig betriebliches Gesundheitsmanagement ist. Durch Prävention und Gesundheitsförderung können mehr Menschen bis zur Rente gesund und leistungsfähig bleiben – und Unternehmen damit wettbewerbsfähig.“

Durch die branchenspezifische Analyse und die Betrachtung einzelner Krankheitsbilder dient der Bericht als Basis für die Entwicklung gezielter Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements und die Umsetzung des Präventionsgesetzes.

„Die vorgelegten Ergebnisse bestätigen den wichtigen Einsatz etwa der Krankenkassen und anderer Sozialversicherungsträger im betrieblichen Gesundheitsmanagement in den Unternehmen vor Ort und geben zugleich Impulse für künftige Handlungsfelder“, betont Frank Michalak, Vorstandsvorsitzender der AOK Nordost. Angesichts demografischer Herausforderungen und des wachsenden Fachkräftemangels rücke das Gesundheitswesen als eine der regionalen Schlüsselbranchen weiter in den Fokus. „Die Analyse zeigt, dass in den Unternehmen der Branche Handlungsbedarf besteht, um das Gesundheitswesen und vor allem seine Beschäftigten fit für die mit dem demografischen Wandel verbundenen Herausforderungen zu machen“, so Michalak.

„Wir als Betriebskrankenkassen sind Vorreiter und unterstützen die Politik, betriebliche Gesundheitsförderung sowie betriebliches Gesundheitsmanagement deutlich auszubauen. Nicht allein die Veränderungen am Arbeitsmarkt, sondern auch der wachsende Stellenwert chronischer Erkrankungen sind zwingende Gründe für ein stärkeres Engagement in der Prävention. Doch um dem demografischen Wandel gerecht zu werden, bedarf es auch weiterer Anstrengungen. Ein Masterplan für „Chronische und Langzeiterkrankungen“ ist bitter nötig. Die starren Strukturen im Gesundheitswesen müssen aufgebrochen werden. Die Abgrenzung und Abschottung zwischen ambulanter und stationärer Behandlung, zwischen Ärzten und anderen Gesundheitsberufen und auch zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung muss durchlässiger werden. Ähnlich dem nationalen Krebsplan muss ein Masterplan für langwierige und chronische Leiden erarbeitet werden. Oberste Priorität müssen dabei die Bedarfe und Bedürfnisse von Langzeitpatienten haben. Wir können uns die Schnittstellenproblematik im deutschen Gesundheitswesen einfach nicht länger leisten“, erklärt Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes.

Zusammenfassung weiterer Ergebnisse:

Der Krankenstand in der Region Berlin-Brandenburg pendelt sich ein (2012: 4,8% / 2013: 5,0%), liegt aber auf einem sichtbar höheren Niveau als im Bund (2012: 3,8% / 2013: 4,0%).

Der Krankenstand ist in allen Berichtsjahren in Brandenburg (2012: 5,1% / 2013: 5,3%) höher als in Berlin (2012: 4,8% / 2013: 5,0%).

Die Top 4 Erkrankungsgruppen in Berlin-Brandenburg decken sich mit den Haupterkrankungen im Bund: Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems, Krankheiten des Atmungssystems, Psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen sowie Verletzungen und Vergiftungen stellten die häufigsten Gründe für Fehlzeiten.

Rund ein Viertel aller Fehltage werden durch Muskel-Skelett-Erkrankungen verursacht, die höchste durchschnittliche Fehlzeit von 30 Tagen ist auf psychische Erkrankungen zurückzuführen.  

Psychische Erkrankungen sind auch nach wie vor die häufigste Ursache für Frühberentung in Berlin und Brandenburg.

Ein Blick auf die Branchen macht insgesamt deutlich, dass besonders die in der Gesundheitswirtschaft, im Bereich Verkehr und Lagerei aber auch die in den öffentlichen Verwaltungen beschäftigten Versicherten einen deutlich höheren Anteil an Muskel-Skelett-Erkrankungen sowie psychischen Erkrankungen aufweisen. Sie sind damit in besonderem Maß dem Risiko chronischer Erkrankung mit Verlust der Erwerbsfähigkeit ausgesetzt.

Link zur Power-Point-Präsentation der Pressekonferenz: www.berlin-partner.de/gesundheitsbericht

Der dritte länderübergreifende Gesundheitsbericht steht kostenlos zum Download unter www.healthcapital.de/gesundheitsbericht2015 bereit oder kann über das Cluster Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg – HealthCapital als gedrucktes Heft bestellt werden (E-Mail: info@healthcapital.de, Tel. 030 46302-548).

Der länderübergreifende Gesundheitsbericht wurde unter der Herausgeberschaft des Clusters Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg – HealthCapital in Kooperation mit der AOK Nordost, den Mitgliedskassen des BKK Dachverbands, der DAK-Gesundheit, der IKK Brandenburg und Berlin, der Knappschaft-Bahn-See, der Techniker Krankenkasse, der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg und der Unfallversicherung DGUV durch das Berliner IGES Institut erstellt. Der Gesundheitsbericht wird im Rahmen des Handlungsfeldes 4 „Gesundheitsförderung, Prävention und Gesundheitstourismus“ des Clusters Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg erstellt.

HealthCapital
Das Cluster Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg – HealthCapital ist Teil der Gemeinsamen Innovationsstrategie der Länder Berlin und Brandenburg (innoBB). Das Clustermanagement liegt bei der Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH und der ZAB ZukunftsAgentur Brandenburg GmbH. Ziel des länderübergreifenden Clustermanagements ist es, die regionalen Aktivitäten zwischen der Wissenschaft, der Wirtschaft und den klinischen Anwendern zu koordinieren und strategisch auszubauen, um die Spitzenposition der Hauptstadtregion in der Gesundheitswirtschaft und den Lebenswissenschaften auf internationaler Ebene weiter voranzutreiben.

 

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Ident-Nr
002/2016
Datum
06.01.2016
Rubrik
Gesundheit
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06.01.2016
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